THE PLACE WHERE YOU ARE

RIGHT NOW

GOD CIRCLED ON A MAP FOR YOU.

H A F I Z

DER BUNTE WOLLFADEN

Unser Platz unter den Haselnuss-Sträuchern ist schon fast wie ein zweites Zuhause, deshalb müssen wir uns auch dringend verabschieden. Außerdem ist der Bus nun wirklich gut geputzt, gelüftet und geschont. Wir haben die Umgebung erkundet, ein Gespür für das Leben in Maçka und das Treiben in der 800.000 Einwohner Stadt Trabzon bekommen. Wir nutzten die Zeit für Radausflüge, ein paar Arbeits- und über das Wochenende zwei Wandertage, mit Tagestemperaturen um die 20 Grad und sternenklaren Nächten.


Haselnuss-Camping

Die Hügel und Berge in der kleinen Provinz Maçka werden von vielen Flüssen durchzogen, dahinter beginnt das Pontische Gebirge und dahinter liegt das Zweistromland, Mesopotamien, der „Garten Eden“, ein Reisetraum den wir vorerst verschieben.




Bergsteigen auf türkisch.



Schäfchenwolken


Blumenfreund

 


Die Tage in Trabzon waren bunt. Die Stadt ist Umschlagplatz für den Export von Tee, Tabak und Haselnüssen; Nutella lässt grüßen. Der Seehafen an der türkischen Schwarzmeerküste ist riesig und das Zentrum ist perfekt für Shopping-Touren. Wir sind viel länger im Nordosten der Türkei geblieben, als wir eigentlich wollten. Der Grund dafür – der Iran stellt nach wie vor, selbst das Transit Visum nicht aus und wir mussten lange auf eine Entscheidung warten. Nach drei Besuchen im Konsulat, hieß es dann: vielleicht ändert sich die Situation in zwei bis drei Wochen.

Solange wollen wir nicht warten.




Helva


Toni Maroni


Vielleicht ist es einfacher über Kurdistan/Irak oder vielleicht ist es besser über Armenien zu reisen. Von einigen haben wir gehört, dass es möglich ist. Wir packen also unsere sieben Sachen. Wir werden die Türkei vermissen, aber vor allem unsere kleine Gastfamilie, unsere Camper Nachbarn Myriam und David, das opulente Frühstück (Kahvalti), die vielen frisch zubereiteten Pide die wir gegessen haben, die leckeren Feigen, Granatäpfel und Kakis, den schwarzen Tee mit Zucker, das Baden im Schwarzen Meer, die Berglandschaften und die vielen freundlichen Menschen.


Kahvalti


Pide-Bäckerei


 

Cay?



Ja, es gibt so viel Schönes in der Welt!


Am 23. Oktober fahren wir am frühen Morgen zum Flughafen in Trabzon, um unseren PCR-Test abzuholen, den wir am Vorabend tapfer über uns ergehen lassen haben. Mit negativem Ergebnis und positiven Gedanken fahren wir über die Grenze nach Georgien.

Pappkameraden




Unser erster Halt ist Batumi. Die Stadt liegt ebenso direkt an der Schwarzmeerküste, wie Trabzon und nach einem Strandspaziergang nehmen wir uns den Strand Boulevard vor, dann das Altstadtviertel und am Ende des Tages könnten wir so weiter schlendern, noch einen Wein und noch was Essen, aber die Zeit drängt, sonst müssten wir einen weiteren PCR-Test machen. Wir verlassen die Stadt in der Abendstimmung und im Rückspiegel sehen wir das „Las Vegas” Georgiens am Horizont glühen.


Batumi


Sowietblock




Stadtauto

Badeschönheiten


Bauboom


Der wahrscheinlich kleinste Macy der Welt


 
Slow Food


sportlich chic 


Unter Palmen 


Not macht erfinderisch 


Wohnen mit Bergblick 


East Las Vegas

Wir finden einen sicheren Platz am Meer kurz vor Kobuleti. Am nächsten Morgen heißt es aufstehen, Zähne putzen und dann Langstrecke. Unser Taxi schnurrt vor sich hin und wir hängen unseren Gedanken nach. Auf engstem Raum, die Sicherheit eines festen Wohnsitzes aufgegeben und mit der Unsicherheit, die zwar Freiheit bedeutet aber auch Anstrengung, ist nicht jeder Tag einfach und es gibt auch die, an denen es richtig kracht. Das Taxi hält die Scheinwerfer offen und sich die Ohren zu. Der Campingplatz am Abend ist in der Karte eingezeichnet jedoch nicht vorhanden, aber das Waldgrundstück gehört uns.

Schlafplatz mit Wachhunden

 


Kaukasus, das höchste Gebirge Europas

Verkehrsberuhigung auf der Autobahn







26. Oktober, Montagmorgen, es sind nur noch zweieinhalb Stunden bis zur Passkontrolle. Wir befinden uns bereits auf 2000 Höhenmeter und besuchen nicht weit von der Straße entfernt eine alte Festung mit einer hübschen Kapelle. Es ist ein mystischer Ort und rund um und in der Festung wachsen Heil- und Wildkräuter. Die kleine Kapelle ist gut gepflegt, sehr sauber und scheinbar frequentiert. Als wir sie verlassen, brennen drei kleine Honigkerzen.

Nach weiteren 500 m Höhe kommen wir ins Grenzgebiet. Es wird kalt, der Wind bläst unserem treuen Freund ums Heck und wir können nicht glauben was wir vor uns sehen. Aus dem nichts taucht eine Grenzstation auf, es wirkt skurril. Mitten im Niemandsland ein Grenzposten.



Die eine Seite Georgien, die andere Seite mit Armeniern besetzt. Das beste an der Überschreitung war allerdings der georgische Grenzbeamte. Er fragte ob wir den deutschen Musiker Udo Wenders kennen würden. Wir mussten dreimal nachfragen, weil uns der Name nicht bekannt vorkam. Das Smartphone wurde gezückt und uns wurden mehrere Gassenhauer vorgespielt. Am Ende haben wir zu viert gesungen. Er mit seinem Kollegen aus dem Grenzhäuschen heraus, wir mit heruntergelassener Scheibe. Die Jungs haben dort wirklich nichts zu Lachen. Was für ein Ort, denken wir und es fängt an zu schneien. Wir verlassen im Schneegestöber den Parkplatz, fahren über schlechte Straßen durch trostlose Dörfer. Die Rinderherden gehen freiwillig nach Hause, die Schäfer müssen ihre Schafe nach Hause treiben. Die kleinen Häuseransammlungen sind in einem armseligen Zustand, die ganzen Heu- und Mistberge dominieren den Ortskern und der schnelle Wintereinbruch, trägt sein Teil dazu bei, dass die Ödnis auf unsere Stimmung drückt. Wir sind in Armenien.




White out


Schneepflug


Am Abend sind alle Campingplätze die wir auf unserem Weg eingezeichnet hatten, geschlossen oder besser gesagt, stillgelegt – oder es ist Saisonende … wir wissen es nicht.

Die Tage waren lang, wir sind müde und wir stellen uns auf den nächsten Hotelparkplatz. Entscheiden uns nochmal um und nehmen einen kleinen Hang, oberhalb des Hotels. Im Dunkeln ist es manchmal nicht einfach, überhaupt noch etwas richtig zu machen.


Der Vulkan schläft


Wir wachen auf und vor uns thront Yerevan, die Hauptstadt des Landes. Im Nachthemd und Schlafanzug machen wir Luftsprünge. Wir schauen über das ganze Land, auf einen blauen klaren Himmel, auf den großen Ararat und auf das wunderschöne Armenien. Bevor wir nur ans Zähneputzen denken, werden Fotos gemacht. Es gibt kein schöneres Motiv an diesem Tag, außer uns drei auf dem Weg in die Stadt.

Nach fünf Wochen gönnen wir uns eine Pause. Jeder ein eigenes Bett, jeder hat Zeit um durch die Stadt zu stromern, sich auszuschlafen, auf Leute und das Nachtleben zu treffen und seine eigenen Eindrücke zu sammeln. Nach zwei Tagen treffen wir uns wieder, haben eine Menge zu erzählen und entscheiden uns für die Visa-Beantragung Teil 2, aufs Land zu ziehen.


Rathaus von Yerevan


Stadtpark


Naked Bike


Easy Rider


Platz der Republik


Livestyle bar

Lavash-Bäckerei


Bauerweiterung

Wissenserweiterung


Heiligenschein

Freilichtmuseum


Vererbung


Victoria



Cascaden Complex




Einsam wacht…

Bei der Suche nach geeigneten Plätzen haben wir eine Übereinstimmung – Camping 3Gs, das klingt nach einer zuverlässigen Internetverbindung. Es ist nur eine Stunde von Yerevan entfernt, es liegt in den Bergen zwischen Garni, Goght und Geghard auf knapp 1800 m Höhe. Wir fahren los und tauchen in eine Welt ein, die wir so nicht vermutet hätten. Es ist skurril, auf eine andere Art als die Grenzstation, aber es ist eine Welt in einer anderen Welt – Holländisches Camping.


Unsere Gastmutter Sandra zeigt uns die komplette Anlage. Terrassenartige Zeltflächen, Parkplätze, großzügige Aufenthaltsräume mit komplett eingerichteten Küchen, Duschräume, mehrere Toilettenhäuser, wunderschöne Obstwiesen, Walnuss-Haine, Hühner, Puten, zwei Hunde, zwei Katzen und vier Wellensittiche – am Ende stehen wir vor einem Pool.


3Gs Camping

Unser Taxi findet einen Parkplatz zwischen verschiedenen … sagen wir mal Reise-Mobilen. Ein alter T2 steht neben uns, dahinter ein Toyota, gegenüber ein großer LKW der Marke Volvo, dann ein russischer Kleintransporter der Marke UAZ, ein riesiger Steyr, ein alter Mercedes Transporter der, wie wir am Abend erfahren, im Katastrophenschutz gearbeitet hat und noch später am Abend kommt das Gleiche in Grün, der den Militärdienst quittiert hat – Früh-Rente sozusagen. Am Küchentisch und in der Küche sind wir drei Paare. Wir kochen und essen gemeinsam. Wir machen uns zwei Flaschen armenischen Rotwein auf. Es ist schon fast 22 Uhr, Sandra und zwei weitere Gäste, betreten die Küche und gesellen sich zu uns. Am Ende der Woche sind wir fünf Paare ein Toyota mit niederländischem Kennzeichen und ein Bulli neueren Baujahrs stehen zusätzlich auf dem Hof. Wir verbringen dort fünf Tage, die meisten von uns warten auf das Iran-Visum.


In guter Gesellschaft

Wir haben Zeit die historischen Sehenswürdigkeiten und ein Weltkulturerbe in der Umgebung zu erkunden, aber vor allem zum Radfahren, für Yoga, endlich mal wieder zu Kochen und ein selbst gemachtes Frühstück zu genießen. Für einen Großeinkauf mit Sandra, lange Abende in der Küche am Holzofen, mit viel Rotwein (die Vorräte müssen weg, bevor es in den Iran geht) und dann natürlich die unterschiedlichsten Lebensgeschichten zu hören. Manche sind seit 12 Jahren unterwegs ohne festen Wohnsitz, die jungen Paare teilweise seit zwei Jahren. Wir haben dort eine gute Zeit und es ist spannend all den Geschichten zu lauschen.


Kloster Geghard


Wächter des Speeres

 


Tempel von Garni


Grichisch-armenischer Stil


Badehaus

 

Symphony of the Stones 


Bildsuche


Blechhütte 


Sewansee

Schlafwagen 

Selim Pass 



Am 4. November verlassen wir mit den Berlinern den Campingplatz, alle anderen sind schon einen Tag vorher aufgebrochen. Wir fahren zurück nach Yerevan und übernachten am Stadtpark mit Blick ins Tal. Es ist Freitag, auf dem Tagesprogramm steht ein Besuch bei der Iran-Botschaft. Vergeblich, unser Antrag ist noch nicht durch.

Es ist ziemlich deprimierend, denn außerdem gibt es verschärfte Einreisebedingungen auf unserer Reiseroute. Der Iran hat die Grenzen für Touristen wieder geöffnet, aber nur Geimpfte sind willkommen.





Das Nachthemd ist auf der Wäscheleine hängen geblieben. Sandra kommt in die Stadt und bringt es vorbei. Wir sitzen fast zwei Stunden zusammen und sie berichtet was in den letzten Tagen passiert ist. Eines der Paare überwintert den Toyota in Goght, es geht mit dem Flugzeug nachhause, die Mutter ist alt und krank. Der neue Bulli hat einen nicht zu reparierenden Schaden, das junge Paar überlegt wie es weiter gehen soll. Die beiden waren die ersten mit Iran-Visum und sie wollten vor dem Winter die Rückreise antreten, also wenig Zeit. Ein anderes Paar hatte einen Autounfall. Die Vorderachse ist ein kompletter Totalschaden. Nun sitzen sie hier und es geht nicht vor und nicht zurück. Die Angelegenheit muss erst mit der Versicherung geklärt werden.

Wir werden demütig. Bisher hatten wir viel Glück und wir sind über die letzten sechs Wochen so durchgerutscht. Wir hatten nie Ärger, wir fühlen uns immer sicher wir waren nie in Bedrängnis.

Kurz vor unserer Abreise aus Deutschland kam ein Glückbringer ins Haus. Meine liebste Freundin, brachte eine Kupfermünze aus Butan, in der Mitte ein Loch durch das zwölf Wollfäden in den unterschiedlichsten Farben, zu einem Zopf geflochten waren. Jeder Wollfaden bedeutet, dass Menschen bereit sind eine Stunde des eigenen Glücks zu verschenken, auf eine Stunde ihres Glücks zu verzichten – keiner kann bestimmen, welche Stunde aus ihrem Leben es sein wird. Ich weiß nicht von allen die einen Wollfaden gegeben haben. Meine liebste Schwester, die wichtigsten Wegbegleiter, die besten Freundinnen und Bergsteigerinnen, gute Freunde und Fremde.


Viele Stunden Glück

Es ist ein Segen zu wissen, dass wir von so vielen guten Wünschen und so positiven Gedanken, begleitet werden.


 

Reiseroute