THE PLACE WHERE YOU ARE
RIGHT NOW
GOD CIRCLED ON A MAP FOR YOU.
H A F I Z
DIE REISE BEGINNT SCHON VIEL FRÜHER
Wir zwei treffen uns in Braunschweig verbringen den Freitagabend zuhause. Am nächsten Morgen fahren wir mit dem schönen VW Bus in den Harz. Einmal Brocken, einmal Teufelsmauer – zwischen den beiden Touren verbringen wir die Nacht im Bulli bei Oderbrück. Wir haben Bier dabei, ein Abendessen und für den nächsten Morgen, Kaffee und Frühstück. Am späten Nachmittag zurück in Braunschweig, die alten Freunde aus Studententagen … in dieser Nacht entscheiden wir auf Reisen zu gehen, per Landweg nach Indien, nach Kashmir.
Am 20. September 2021 ist der Bus wieder in Braunschweig und wird beladen. Ein Teil der Kleider muss wieder zurück in den Schrank, doppeltes Reparatur- und Werkzeug-Kit bleibt zuhause, Shampoo, Duschgel, Bodylotion? Ein Stück Seife muss reichen.
Noch einmal durchs Haus, noch einmal zu den Nachbarn, noch mal Tschüss sagen und nochmal und nochmal … Wir hatten einige Monate Zeit, um zu planen, Vorbereitungen zu treffen und alles zu regeln, um das Land für sechs Monate zu verlassen und am Ende wird es knapp und der Abschied fällt schwer. Den Rest machen dann die Freunde, die Nachbarn und vor allem die Familie. Ohne Hilfe wäre das alles nicht gegangen.
Wir starten komplett verspätet, aber das Taxi nach Kashmir rollt und Fahrer und Beifahrer sind aufgeregt und gut gelaunt. Es ist 13 Uhr, Kilometerstand: 459535.

Die Sterne stehen günstig, der große Wagen rollt.
Am Abend sind wir schon in Polen. Der Bulli wird in der Nähe eines Sees geparkt, zwischen Sommerfeldern und Schrebergärten. Die erste Nacht auf unserer langen Reise.
Morgenspaziergang in Polen.Am nächsten Morgen sortieren wir erst einmal unsere sieben Sachen auf unseren fünf Quadratmetern und kurz bevor wir auf die Autobahn fahren halten wir an einem Kloster. Wir sind uns nicht ganz einig, da die Führung auf polnisch stattfindet. Gut, dass es nur einen Kapitän gibt! Denn ein nettes polnisches Paar mit Hauptwohnsitz in England begleitet uns und sorgt für eine Simultan-Übersetzung. Am Ende ist es das Kloster von Sankt Martin, der allerliebste heilige Schutzpatron.

Kloster Paradies
Lebensechte 3-Meter-Riesen
Mit seinem Segen geht es auf die Autobahn. Wir fahren drei Tage durch Polen, drei Tage durch die Ukraine. Wir verlassen nur für die Nacht, für ein Mittagessen, einen Kaffee, einen PCR-Test und für WiFi das Auto und die Straße. Wir haben viel Wind, Regen und niedrige Temperaturen, nachts ist es kalt.

Uralte ukrainische Kaffeetradition

Die Kornkammer Russlands

Der aufgehenden Sonne entgegen.
Nach zweitausend Kilometern erreichen wir, am
Abend des 25. September Odessa – den Schwarzmeer-Hafen der Ukraine.
Zuerst an den Strand und einmal mit den Füßen durchs Wasser. Am nächsten
Tag gönnen wir uns eine Nacht im Hostel, direkt am Meer auf der anderen
Seite der Stadt. Die Dusche tut gut, der Blick bis zum Horizont ist
eine Wohltat, der Wind weht nur mild und die Sonne scheint warm ins
Gesicht.
Strandspaziergang
Die Anfahrt auf die Millionen-Stadt war eine Reise in die Vergangenheit. Pferdekarren statt Lastwagen auf der Autobahn und kleine Läden mit handgemachten Produkten. Keine Supermärkte, keine Fastfood-Ketten, wirklich außergewöhnlich.
Odessa selbst ist eine wunderschöne Stadt mit einem beeindruckendem Altstadt-Zentrum. Es gibt tolle Geschäfte, sehr viele junge Menschen, hübsche Frauen, gutes Essen, geschichtsträchtige Plätze, wie die Potemkinsche Treppe und überall ist noch viel Tradition zu spüren und zu sehen. Unsere Räder kommen zum Einsatz und wir haben Zeit fast 60 km zu radeln. Aber vor allem wird klar, dass hier ein wichtiges Handelszentrum ist. Russland verbindet sich hier mit dem Nahen Osten. In Tschornomorsk ist der Fähranleger. Die Fähre nach Georgien fällt einfach aus. Die Fähre in die Türkei verschiebt sich, fünf Stunden vor dem Verlassen des Hafens, um weitere 12 Stunden. Es muss noch Stahl geladen werden. Touristen sind hier nur zahlende Gäste und haben null Priorität.
Krankenhaus-Innenhof

Kuhmilcheis

Ewiger Jugendstil
Potemkinsche Treppe
Odessas Frauen

Das Oberhaus

Am 28. September legt endlich unsere Fähre ab. Wir haben tatsächlich drei Tage am Schwarzen Meer verbracht.

Der Sprung über den Teich.

Unsere Frachtfähre

Duty free shop
Hafenromantik24 Stunden dauert die Überfahrt. Die Nacht in unserer Kajüte mit Etagenbett und Dusche ist ruhig. In der Früh werden Schwalben auf dem Schiff gesichtet und an Deck landet ein Rotkelchen – blinde Passagiere oder Dauergäste – wir wissen es nicht. Mit uns reisen ein paar Russen, zum Teil Auswanderer und ein paar Ukrainer auf Urlaubsreise. Und natürlich etliche türkische und iranische LKW-Fahrer, darunter Deniz, der uns noch ein paar Tipps für den Van See, aber vor allem für den Grenzübergang zum Iran gibt.
So reisen wir in die Türkei ein. Nach Gesundheits-Check, Passkontrolle, einem kleinen Ausflug zum Polizei-Büro und am Ende der Durchsicht unserer Fahrzeugpapiere, winken sie uns durch und wir fahren die ersten Kilometer durch Vorderasien.

Unsere Route führt uns vom Fährhafen Karasu, nach Erzurum, von dort zum Van See und zurück ans Schwarze Meer nach Trabzon. Dort erwarten uns die Dokumente für den Iran und dann geht es Richtung Persien.